Treuer Brattig-Leser im fernen Osten: Urs Heggli vor der Skyline des Hongkonger Hafens. Das Bild hat er auf Wunsch der Brattig-Redaktion machen lassen. Danke!

Die «Seetaler Brattig» ist Heimat und verbindet. Bis nach Hongkong. Dort gehört der gebürtige Müswanger Urs Heggli seit Jahren zur treuen Leserschaft. Der Unternehmer, in Zürich aufgewachsen, hat im fernen Osten in der Textilindustrie Karriere gemacht und handelt heute mit Delikatessen.

Die Brattig hat rund um den Erdball viele Abonnentinnen und Abonnenten. Darüber schrieb Luzia Mattmann in der Ausgabe 2019. Den weitesten Weg aus dem Seetal lege wohl jene Brattig zurück, die in die kanadische Provinz Québec gelange, zu Anita Arnold-Lüpold, die vor über 20 Jahren von Ermensee dorthin auswanderte, meinte die Autorin damals. Womit sie falsch lag, wie wir heute wissen. Von Hochdorf nach Québec sind’s rund 5500 Kilometer. Luftlinie.

Bis Hongkong hingegen fast 4000 Kilometer mehr. Dort lebt Urs Heggli, auf den die Redaktion aufmerksam wurde, weil er die Brattig heuer per Post bestellen musste. Bis vor zwei Jahren habe er sie jeweils auf dem Weg in die Skiferien in Engelberg bei einer der Brattig-Verkaufsstellen erworben. «Dann hat aber leider das Virus zugeschlagen und mit Ferien in der Schweiz wurde nichts mehr», berichtet er. Pech für ihn. Aber schön für uns, weil die Bestellung sich zu einem Mailwechsel auswuchs, in welchem uns Urs Heggli uns dabei einiges aus seinem Leben erzählte.

Auf der Welt zuhause

Urs Heggli, geboren 1947, wuchs in Zürich und machte eine kaufmännische Ausbildung, 1976 flog er «als Abgesandter», wie er schreibt, der Firma Freudenberg in Weinheim (Deutschland) nach dem damals noch kolonialen Hong Kong mit dem Auftrag, eine Firma zu gründen und das Geschäft mit Einlagestoffen aufzubauen. «Das hat dann auch gut geklappt, was dazu führte, dass ich seither in Hongkong geblieben bin», erzählt er. Freilich auch Louisa wegen, seiner Frau, die aus Hong Kong stammt und die er 1980 heiratete. Die zwei bekamen drei Kinder, die längst erwachsen und auf der ganzen Welt verstreut sind.

Die Firma besteht noch (Freudenberg & Vilene International Ltd), ist gewachsen und gedeiht. Anfänglich importierte sie die Ware aus Europa, später kamen eigene regionale Produktionsstätten dazu, in China, Taiwan, Indien usw. mit mehr als 1500 Mitarbeitenden. Es gebe wohl keine Textilmarke weltweit, die ihre Produkte nicht auch in China, Vietnam, Indien oder Bangladesh usw. fertigen lasse. «Wir haben dazu den Einlagestoff geliefert», sagt Heggli.

Er sei immer noch eng verbunden mit der Firma, sagt Heggli, betreibe aber in der Zwischenzeit ein eigenes Handelsgeschäft mit Import und Vertrieb von Fine Food wie Abalone aus Mexico (Seeohren, eine Schneckenart, die im Meer wächst), Traubensaft, Wein und Essig aus Italien, Gänseleber aus Ungarn und weiteres mehr. In Klammern: Das Geschäft leidet pandemiebedingt gerade eben. Die Behörden haben die Öffnungszeiten der Restaurants usw. bis über das Chinesische Neujahr (1. Februar) hinaus verlängert. «Das ist schlimm», sagt Urs Heggli. Die Wochen vor dem Chinesischen Neujahr seien für Unternehmer wie ihn die wichtigsten. «Auch Geschäftsleute und Touristen haben wir nun bereits seit zwei Jahren keine.»

Nun, Urs Hegglis guten Beziehung zur alten Heimat tun auch geschlossene Grenzen keinen Abbruch. Müswangen sei für ihn weit mehr als sein Bürgerort, sagt er. Sein Hobby, die Familienforschung, verbinde ihn mit dem Seetal. Ein Geschichtsprofessor der Uni Zürich und eine kleine Gruppe Studentinnen und Studenten hätten für ihn Material zusammengetragen, und er habe mittlerweile über 3000 Personen in seiner Datenbank, viele untereinander verbunden, aber ebenso viele auch noch lose. Sein Stammbaum reiche bis in 17 Jahrhundert zurück.

Wie man Hitzkirch richtig ausspricht

Urs Heggli schildert dazu eine «lustige Begebenheit», wie er sagt. Wir zitieren aus einem seiner Mails: «Mein Freund und Kollaboratör Gotthard Meyer, der ex Kirchenarchivar von Hitzkirch, hat mich belehrt dass das richtige, tiefere Verstehen der Geschichte und der Menschen früherer Zeiten einer gewissen Region nur im kulturellen Umfeld möglich ist und hat den Anfang gemacht, mir (als Zürcher) das richtige Aussprechen von Hitzkirch (auf Luzern-Hitzkirchisch) beizubringen. Es ist gar nicht so leicht… Hützchuch oder so ähnlich?»

Nun, wer die Seetaler Mundart kennt, hat im Ohr, wie man Hitzkirch, Gelfingen oder Altwis ausspricht. Sonst jemand schaut vielleicht bei Urs Heggli in Hong Kong vorbei und unterrichtet ihn diesebzüglich, falls er, nach aufgehobener Einreisesperre, dort mal vorbeikommt. Umgekehrt lässt Heggli ausrichten: «Grüssen sie ihn», womit er eben erwähnten Godi meint, «von mir, falls sie sich zufällig treffen sollten.» Das mögen bitteschön alle tun, die diese Notiz lesen und Godi gelegentlich über’n Weg laufen.

Die Brattigleute bedanken sich derweil bei Urs Heggli für seine Verbundenheit mit dem Seetal. Und hoffen, ihn weiterhin und noch lange zu ihrer Leserschaft zählen zu dürfen.

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